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Eine Seefahrt ist (nicht immer) lustig - mein erster Segeltörn
Frank Damboldt E-Mail an den Autor

Vormann Jantzen
Seenotkreuzer Vormann Jantzen - Foto: Roger
Trotz des späten Zeitpunktes Ende Oktober`99 machten 6 Kameraden der MK Weimar einen Segeltörn auf der Ostsee. Wir charterten eine Segelyacht (Feeling 39).
Samstag gegen 13 Uhr warfen wir die Leinen los und nahmen Kurs auf Saßnitz. Von dort aus segelte unsere Crew nach Bornholm. Der Wind und die frische Seeluft liesen in mir alte Erinnerungen wach werden. Wieder einmal, nach 17 Jahren Landgang, auf See zu sein war schon ein tolles Gefühl. Am frühen Abend, es war schon dunkel, erreichten wir den Hafen von Hasle.
Die Überfahrt war hart, denn Kälte und Nässe setzten uns ganz schön zu. Früher vor Neufundland oder Labrador war es ja auch nicht anders.

Unser letzter Liegeplatz auf Bornholm war das sehr schöne Städtchen Ronne. Der Wetterbericht versprach uns für die Heimreise besseres Wetter. Am Donnerstag morgen machten wir bei Zeiten die Leinen los und fuhren Richtung Saßnitz. Auf offener See bekamen wir gleich einen vor den Bug, und mußten gegenan mit Maschine fahren. Brecher kamen über und Wasser stand in einem Lukenkasten. Die Fender schwammen auf und drückten gegen den Lukendeckel. Der wurde gleich weggerissen und flog mir fast gegen den Kopf. Das Wasser stand ca 40-50 cm im Schiffsinnerem. Wir schöpften mit der Pütz das Wasser außenbords, denn die Lenzpumpe fiel aus und dann ist auch noch der Dieselmotor abgesoffen. Wir trieben wie in einer Nußschale umher und versuchten die Yacht gegen die Wellen zuhalten. Ich dachte, oje das kann ja heiter werden. Weit und Breit kein Schiff zusehen. Was nun Herr Kapitän!
Auf Position 54 51`N-14 24`E setzten wir über UKW den Notruf PAN-PAN ab. Einige Meilen entfernt von uns arbeitete ein Saugbagger der nach ca 30 Minuten unsere Position erreicht hatte. Ich war richtig erleichtert als ich das Schiff am Horizont sah.
Sie setzten ein Motorschlauchboot aus und verschwanden im Wellental. Ich hatte früher als Matrose auch Schlauchbootfahrten gemacht aber nicht unter solchen Bedingungen. Als das Boot längseits kam schriehen uns die Matrosen an. 2 Mann rüber, 2 Mann schnell rüber! Ich zögerte keinen Augenblick und sprang als Erster, was nicht ganz ungefährlich war. Im Schlauchboot hatte ich keine Orientierung mehr, denn es ging auf und ab und es war mir zum k..... Vor uns lag der Saugbagger „Seekies“ und ich kletterte die Jakobsleiter hoch. Oben angekommen fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Vor Freude habe ich gleich den erst Besten umarmt und auf die Schulter geklopft. Auf der Brücke gab man uns warme Klamotten und einen heißen Tee.
Mit einem Schuß Rum wäre auch nicht schlecht gewesen. Von der Nock aus beobachtete ich die weitere Rettungsaktion. Unser Skipper und ein Crewmitglied waren noch an Bord der Segelyacht, die wie eine kleine Nußschale hin und her geschaukelt wurde. Nach kurzer Zeit erschienen ein dänisches Rettungsboot, der Seenotkreuzer „Arkona“, Bundesgrenzschutz und ein schwedischer SAR-Hubschrauber.Das dänische Rettungsboot brachte eine Lenzpumpe zur Segelyacht, die leider nicht zum Einsatz kam, weil die Zugleine beim Starten abriß. Der Seenotkreuzer „Arkona“ setzte sein Tochterboot „Caspar“ aus und brachte eine Lenzpumpe an Bord. Bei gleichzeitigem Schleppen konnte gelenzt werden. Die See hatte immer noch 7-8 und wir auf der „Seekies“ bekamen das auch zu spüren, denn das Schiff stampfte mächtig.
wieder in Saßnitz
zurück in Saßnitz, links der Autor
In der Messe schauten wir uns ein Video von besseren Segelzeiten an und tranken dazu eins oder zwei Bierchen. Ich rief mit dem Handy meine liebe Frau an um ihr von unserer Rettung zu erzählen. Sie fing gleich an zu lachen und sagte: Erzähle kein Seemannsgarn! Vor dem Segeltörn habe ich zuhause noch mein Späßchen gemacht. Ich müßte mein Testament schreiben falls ich absaufe. Ich war stinke sauer weil sie mir nicht glaubte. Darauf nahm ich mir noch ein Bierchen und war mit meinen Gedanken bei unseren 2 Kameraden auf der Segelyacht. Wie wird ihnen zumute sein? Was werden sie von uns denken, die hier im warmen sitzen.Vom Auslaufen in Ronne bis jetzt waren ca 14 Stunden vergangen und die See beruhigte sich immer noch nicht. Der Alte kam nach dem Wachwechsel in die Messe und erzählte uns, das er aus Thüringen stammt und bei Fiko in Rostock zur See gefahren ist. Wir sprachen über die alten Hochseefischerzeiten und der Heimat Thüringen. Auf Reede vor Saßnitz wurden wir vom Seenotkreuzer „Arkona“ übernommen und an Land gebracht wo unsere beiden Kameraden schon warteten.
Unser Dank gilt allen die an der Rettungsaktion beteiligt waren.

PS. Unsere Marinekameradschaft Weimar e.V. konnte zwei Jahre vorher eine Segelyacht vor Assens aus Seenot retten, diesmal sind wir die Geretteten.

Anmerkung: Der Autor fuhr mehrere Jahre in der Großen Hochseefischerei beim Fischfang Rostock zur See.
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Original-URL von Hart-Steuerbord