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Unerwartetes Wiedersehen
Bernd Schirm E-Mail an den Autor

ROS 202
Der Seitentrawler ROS 202 Eisenhüttenstadt ex Stalinstadt
Ein Schwesternschiff der Leipzig und vielen anderen Trawlern mit Städtenamen
Im Jahr 1963, genau am 1.September fanden sich zahlreiche junge Schulabgänger aus der gesamten DDR in der Betriebsberufsschule "John Schehr" in Rostock- Marienehe ein, um den Beruf des Hochseefischers zu erlernen. Eine gute Mischung aus Mecklenburgern, Sachsen enigen Berlinern und wenigen Anhaltinern nahmen Besitz von BBS und Netzboden und träumten von der ersten großen Reise auf einem Logger oder Trawler.
Obwohl wir Sachsen anfangs große Probleme hatten, der norddeutschen Aussprache insbesondere dann wenn es plattdeutsch wurde zu folgen, waren wir bald ein gutes und eingeschworenes Team und wurden zu echten "Rostockern". Abens ging es in die Gaststätte "Immendieck", die wir bald als Bienenteich begriffen und oft fuhren wir mit dem Doppelstockbus nach Warnemünde, um uns in der Freizeit am herrlichen Strand zu erholen und mit unseren Freundinnen zu flirten, die wir am Abend mit dem bescheidenen Lehrlingsgeld in Gaststätten wie "Tante Paula" oder die "Tonhalle" einluden. Ich Bernd Schirm, mein Kamerad Michael Schumann der ebenfalls aus Leipzig stammte und Christian Steckel ein früherer Leipziger, der mit seinen Eltern nach Parchim gezogen war, hatten neben dem Ernst der Ausbildung so manchen Spaß, der sich auch bei "Tante Paula" entlud und so manchen Gast verschreckte.
Mögen Sie uns verzeihen, aber wir lebten nach der Devise " wir sind Hochseefischer, wer ist mehr ? " Dann kam im August 1964 für alle die erste Reise und bis auf wenige Ausnahmen, verteilten wir uns alle auf die Flotte ohne je wieder voneinander zu hören. Manchmal gab es bei der damals im Kurs stehenden pelagischen Fischerei einen Kontakt aus der Ferne, wenn sich ein Logger dem anderen näherte um die Leinen zu übernehmen. Da sah ich auch mal den Christian Steckel neben seinem Netzmacher und wir riefen uns eine Gruß auf der Doggerbank zu.

27 Jahre später, die Mauer ist gefallen und die Reise in alle Welt ist möglich geworden. Auch wir,meine Frau und ich starten zur ersten Auslandsreise und haben die Insel Fuerteventuta ausgewählt. Herrliches Wetter auf der Halbinsel Jandia gab dem Urlaub den richtigen Hintergrund und so spazierten wir am Abend noch ein bißchen und freuten uns die richtige Urlaubswahl getroffen zu haben. Plötzlich sah ich einen Mann, der einen Rollstuhl schob in dem eine Frau saß. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, es war Christian Steckel, der hier auf Fuerteventura war, sofern ich mich nicht irrte. Ich sprach ihn an und er war es wirklich.Er und seine an den Rollstuhl gefesselte Frau machten ihre Silberhochzeitsreise und hatten fernab unseres Hotels eine weit entfernte Unterkunft und an diesem Tag eine Inselrundfahrt im Programm. Dieser riesige Zufall hat zur Folge, daß sich zwei alte Hochseefischer wieder gefunden haben, wir in Leipzig und Christian und Frau in Bleckede und nunmehr wollen wir, daß diese alte Freundschaft, die in Marienehe begründet wurde bis zum Ende unserer Tage halte soll.


Bernd Schirm


Anmerkung: Der Autor fuhr in der Großen Hochseefischerei beim Fischfang Rostock zur See. Danke für diese tolle Geschichte.
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Original-URL von Hart-Steuerbord