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Erinnerungen an Marienehe und die erste Reise
Bernd Schirm E-Mail an den Autor

Hochseefischer Bernd (zweiter von links) daneben rechts Lothar Staats und ganz außen Christoph Syrinek
Hochseefischer Bernd (zweiter von links) daneben rechts Lothar Staats und ganz außen Christoph Syrinek
Vielleicht kennt jemand die Anderen? - Foto: Bernd Schirm
Im Jahr 1963 am 1. September traten über 30 Lehrlinge aus der ganzen DDR zum ersten Mal über die Schwelle der "BBS John Schehr" in Rostock-Marienehe.Wir waren in unserer Klasse, deren Klassenlehrer Herr Oeberst war, sechs Leipziger die es zur Hochseefischerei " trieb". Mit mir Bernd Schirm waren das Günter Klein, Michael Schumann, Hans Schwarzer, Wolfgang Rehmet,Christoph Syrinek und Rolf Märtig.Auch aus anderen sächsischen Gefilden traten potentielle Hochseefischer an, die wie wir keine Ahnung aber feste Vorsätze hatten. Nach einem markigen Fahnenappell mit Direktor Bönsch ging es ein Jahr in Schule und auf dem Netzboden zur Sache, ehe im August 1964 der erste Dampfer,der Trawler Leipzig ROS 201 auf einige von uns wartete.

Kapitän Paul Junge, 1. Steuermann Hans Kippnick und 2. Steuermann Rüdiger Hansch nahmen uns "liebevoll" auf. Besonders der 2.Steuermann Hansch, der selbst durch die BBS gegangen war benahm sich teilweise überheblich, hart und arrogant. Während meiner Nachtwache auf der Hinreise zur Doggerbank,die damals reichliche Heringsfänge brachte, mußte ich mit Kapitän Junge zwei Kannen Kaffee austrinken und eine Schachtel "Warnow" rauchen. Er sagte machmal nachdenkend zu mir " Langer, Du kommst nach der Reise mit zu mir nach Wustrow und heiratest meine Tochter.Da gibt es kein wenn und aber, hast Du mich verstanden ? ". Eine solche Entwicklung hatte ich bei meinem Eintritt in das Fischkombinat nicht vorausgesehen,zumal ich beim Erscheinungsbild vom Kapitän nicht so sicher war, was mich da erwartet. Doch nachdem wir in weniger als 8 Tagen voll Schiff samt Decksladung hatten, waren die Verkupplungen vergessen, wir traten die Heimreise an und nachdem der "Geldmann" von Bord war, gabe es für alle Lehrlinge ein gutes Trinkgeld in die Kapitänsmütze und statt des Standesamtes suchten wir den Rostocker Ratskeller auf, ehe es per Reichsbahn mit Liegewagen nach Leipzig ging um die Freizeit anzutreten.

Ich bin dann später auf dem Logger " Nationale Front", dem Fang- und Verarbeitungsschiff "Friedrich Wolf" und schließlich auf dem Zubringertrawler " Carlo Schönhaar" gefahren.Insgesamt eine schöne Zeit ! Bei jedem Besuch in Rostock zieht es mich in das " Kombinat" und ich kann mir beim Anblick des alten Hafenbeckens und auch beim Hinsehehen zur neuen Pier eine Träne nicht verkneifen. Und wenn ich das Gebäude des "Fred Wehrenbergs Saales"sehe, dann wende ich mich ab,um als nun auf die 60 zugehender Mann nicht in Melancholie zu verfallen. Aber stolz denke ich an unser Fischkombinat Rostock zurück.

Beste Grüße Bernd Schirm


Anmerkung: Der Autor fuhr in der Großen Hochseefischerei beim Fischfang Rostock zur See. Danke für diese tolle Geschichte.
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Original-URL von Hart-Steuerbord