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Materialien für eine Hausarbeit von 1973!
Die folgenden Zeilen gebe ich genau so wieder, wie sie damals einem Schüler von einem Mitarbeiter des Fischkombinates zur Verfügung gestellt wurden. Sei es erdacht oder aus Materialien entnommen, so spiegeln diese Zeilen sehr schön den damaligen Ton wieder und liefern einige interessante Informationen. Vielen Dank für dieses schöne Zeitzeugnis.

Das Fischkombinat Rostock

FVS Zeichnung
Eine Zeichnung aus einer Kinderzeitung?
Die wichtigsten Fischereibasen und fast die gesamte Fischereiflotte befanden sich nach dem 2. Weltkrieg in den westlichen Besatzungszonen, denn die Hochseefischerei wurde seit etwa der Jahrhundertwende ausschließlich von Fischdampferreedereien in Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg betrieben. Die Ostseefischerei war denkbar unbedeutend und beinahe ausschließlich eine Küstenfischerei.
Durch die willkürliche Spaltung Deutschland unter Bruch des Potsdamer Abkommens durch die westlichen Besatzungsmächte wurden wir von den großen traditionellen Seefischmärkten restlos abgeschnitten. Die Fischbezüge schrumpften auf ein Minimum zusammen. Die Sorge um die Hebung des Lebensstandards unserer Bevölkerung erforderte deshalb umfassende Selbsthilfe.
Bereits im Jahre 1946 erließ der Chef der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland einen Befehl zur Erhöhung des Fischfangs in der damaligen sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Damit wurde der Grundstein für die Wiederaufnahme der Küstenfischerei an der Ostsee gelegt.

Die Fänge der Küstenfischer reichten aber bei Weitem nicht aus, den wachsenden Bedarf der Bevölkerung an Fischwaren zu decken. Der Aufbau einer volkseigenen Hochseefischereiflotte war eine wirtschaftliche und politische Notwendigkeit geworden.
Zu Beginn des Zweijahresplanes 1949/50 wurden deshalb von der Partei und Regierung umfassende Maßnahmen eingeleitet und der Beschluß zur Gründung der Fischkombinate Rostock und Saßnitz gefaßt. Im Jahre 1949 wurde das Fischkombinat Saßnitz in Betrieb genommen. Um die Fangleistungen schnell zu erhöhen, übergaben uns sowjetische Genos-sen ebenfalls im Jahre 1949 vier Logger, mit denen die Entwicklung der großen Hochseefi-scherei in der DDR begann.
Vorerst wurden die Schiffe in Saßnitz stationiert und gelöscht, denn Rostock verfügte noch über keinen eigenen Fischereihafen. Die ersten Bedingungen für die provisorischen Stationierungen dieser vier Schiffe wurden auf dem Gelände des heutigen VEB Fleischwerke Rostock geschaffen. Gleichzeitig wurde mit dem Bau des größten Fischkombinates der DDR auf den Trümmern des ehemaligen Flugzeugwerkes Heinkel in Rostock-Marienehe begonnen. Das Jahr 1950 gilt als das Gründungsjahr des VEB Fischkombinates.

Bis 1952 konnte das gesamte Hafenbecken mit der dazugehörigen Kaianlage in Betrieb genommen werden. Zahlreiche Fischhallen, Werkstätten, Versorgungslager, ein großer Eisbetrieb, eine Fischmehlfabrik und andere Verarbeitungsstätten wurden eingerichtet.
Die Anschaffung von Großschiffen erforderte den Bau eines größeren Fischereihafens. Deshalb wurde 1956 mit dem Bau des neuen Warnowkai begonnen. Er wurde nach den modernsten Gesichtspunkten aufgebaut. Die Projektierung der dazugehörigen Gebäude erfolgte in der technologischen Reihenfolge des Hafendurchlaufprozesses. (Erkundigt Euch, welche neuen Bauten entstanden!)
Vom Fang über die Absatzorganisation der Fischwirtschaft, der auf dem Gelände des Kombinates Kühlhäuser zur Verfügung stehen, Verarbeitung und Fischhandel bis zum Verbraucher wurde eine Kooperationskette geschaffen, die der Bevölkerung den Fisch schnell und in guter Qualität zuführt.
Das Fischkombinat Rostock gehört heute zu den größten und modernsten Hochseefischereibetrieben.

Logger Seitenfänger
Fanggeschirr: Grundschleppnetz, Ringwade, pelagisches Zweischiffschwimmschleppnetz
Trawler Typ I Seitenfänger
Fanggeschirr: Grundschleppnetz, pelagisches Einschiffschwimmschleppnetz
Trawler Typ II Seitenfänger
Fanggeschirr: Grundschleppnetz
Trawler Typ III Seitenfänger
Fanggeschirr: Grundschleppnetz
Frosttrawler Heckfänger
Fanggeschirr: Grundschleppnetz, pelagisches Einschiffschwimmschleppnetz Tieffrostanlagen und Tiefkühlladeraum
Zubringertrawler Heckfänger Fanggeschirr: Grundschleppnetz Zwischenlagerung des Fisches in Eis, Abgabe an Verarbeitungsschiffe
Fang- und Verarbeitungsschiffe Heckfänger
Fängt selbst, übernimmt Fisch von Zubringertrawlern, produziert Filet und frostet ein
Transport- und Verarbeitungsschiff Heckaufslip zur Aufnahme des Fanges der Zubringertrawler
Schwimmende Fischfabrik, elektronische Datenverarbeitung, Fabrikanlagen zur Produktion von Filet, Tiefkühlladeräume, Tieffrostanlagen

Zur Flotte

Die sozialistischen Produktionsverhältnisse in der DDR ermöglichten es uns, die Hochseefischerei zielstrebig, schnell und planmäßig zu entwickeln.
Bis Ende des Jahres 1951 konnte die Zahl der Logger bereits auf 33 erhöht werden.
Höher gestellte Ziele im Fischfang erforderten aber ganz neue, leistungsfähigere Schiffstypen für den Fang, den Fischtransport, die Verarbeitung des Fanges und die Versorgung und Betreuung der Fischer und der Flotte.
Erweitert wurde die Flotte durch:
Trawler Typ I
Trawler Typ II
Trawler Typ III
Zubringertrawler
Frosttrawler
Fang- und Verarbeitungsschiffe
Transport- und Verarbeitungsschiffe
Ein Hilfsschiff
(Vielleicht ist es möglich, die heutige Anzahl der Schiffe festzustellen.)

Mit der Indienststellung des ersten Fang- und Verarbeitungsschiffes "Bertold Brecht" im März 1960 und des Transport- und Verarbeitungsschiffes "Martin Andersen Nexö" im Oktober 1960 wurde ein völlig neuer Weg der Technik und Technologie beschritten.
Als größte und modernste Schiffseinheiten wurden 1967 die Transport- und Verarbeitungsschiffe "Junge Welt" und "Junge Garde" in Dienst gestellt. Es sind die größten ihrer Art in Deutschland.
Das Hilfsschiff "Robert Koch" dient der medizinischen, technischen und kulturellen Betreuung unserer Fischereiflotte. Aber auch ausländische Seeleute haben in dringenden Fällen schon medizinische Hilfe erhalten.
Fanggebiete der Rostocker Hochseefischer
Anfangs nur Ost- und Nordsee
Danach die Fanggebiete um Island und die Barentssee
Dann die Fanggebiete bei Grönland und Neufundland
An der westafrikanischen Küste bei Labrador, Neuschottland
(Erkundigen, welche Fanggebiete zur Zeit neu hinzukommen!)
Erzeugnisse unserer Hochseefischer
Frischfisch, Frostfisch, Frostfilet, Salzfisch, Fischmehl, Fischöl und Leberöl
Fangergebnisse
1950 -         1.119 Tonnen
1955 -        28.639 Tonnen
1960 -        47.048 Tonnen
1970 -       234.390 Tonnen
Die Steigerung der Fänge war möglich durch:
Einsatz modernster Fahrzeuge und Ausnutzung neuester Fangmethoden, z. B.
    Flotillenfischerei, elektrische Datenverarbeitung an Bord, Fangübergabe auf See an Fang- und Verarbeitungs- und Fang- und Transportschiffe pelagische Fischerei Ringwadenfischerei enge Zusammenarbeit, gegenseitiger Erfahrungsaustausch, freundschaftliche Hilfe zwischen den sozialistischen Ländern, u. a. mit Polen und der Sowjetunion

Die sowjetischen Genossen stellen uneigennützig ihre langjährigen Erfahrungen, Forschungsergebnisse, Fangprognosen und Spezialkarten zur Verfügung. Gemeinsam konnten die technischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse genutzt werden.
Durch die Vorzüge der sozialistischen Gesellschaftsordnung hat unsere Hochseefischerei das kapitalistische Westdeutschland nicht nur überholt, sondern weit hinter sich gelassen. Durch das Privateigentum an den Produktionsmitteln und den Konkurrenzkampf geht die Erneuerung der Fischereiflotte in Westdeutschland sehr unregelmäßig und stockend voran.
Auf den internationalen Fangplätzen versuchten westdeutsche Konzernfischer immer wieder, Anschluß an unsere Flotte zu gewinnen, folgten unseren Schiffen und hörten die Informationen ab, um sich unsere Forschungsergebnisse anzueignen.
Unsere Hilfeleistungen wurden von ihnen seit Jahren dankend und ohne Gegenleistungen entgegengenommen, doch aus einer kleinen Hilfeleistung ihrerseits im Falle "Brandenburg" - "Hanseat" wurde eine Bergung konstruiert, die vor dem Internationalen Seegericht ca. 300.000 M Devisen gekostet hat. Daraus haben unsere Hochseefischer natürlich ihre Lehren gezogen.
Verarbeitung Zeichnung
 
Die Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte
1950 hatte das Kombinat 100 Hochseefischer und 45 Beschäftigte an Land (Vielleicht könnt Ihr in Erfahrung bringen, wieviele es heute sind.)
In den ersten Jahren war es schwierig, die für die Durchführung der Hochseefischerei notwendigen Menschen zu gewinnen und ihnen die nötigen Fachkenntnisse zu vermitteln.
1952 wurde die Berufsschule "John Schehr" in Betrieb genommen. Internat und Lehrwerkstatt gehören zur Schule. Ausgebildet werden u. a. Matrosen, Schiffselektriker, Schiffsbetriebsschlosser, Fischverarbeiter. (Das sind aber nicht alle Berufe, vielleicht könnt Ihr selbst noch welche hinzufügen.)
Die Weiterbildung der Kombinatsangehörigen erfolgt auf der Betriebsakademie zum Beispiel zum Facharbeiter für Hochseefischerei, Meister. (Auch hier könnte noch ergänzt werden.)
Die Ausbildung der zukünftigen Steuerleute, Kapitäne, Funkoffiziere, Schiffsingenieure erfolgt auf der "Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow".
Soziale und kulturelle Betreuung
Betriebspoliklinik, laufende gesundheitliche Überwachung der Hochseefischer, der an Land Beschäftigten sowie auch ihrer Angehörigen
Auf den Fangplätzen das Hilfsschiff "Robert Koch"
Kinderkrippen und Kindergärten
Großküche, Garküche, Speisesaal
Fred-Wehrenberg-Saal für Durchführung von Großverantaltungen
Haus der Hochseefischer - moderne behagliche Unterkunft der Fischer und auch ihrer Familien während der Freizeit
Dienstleistungen, z. B. Wäscherei für unsere Hochseefischer
Beratungszentren für die Ehefrauen der Hochseefischer in allen Teilen der DDR Betriebsbibliothek
Außer dem Kinoapparat nehmen die Hochseefischer auch viele Bücher mit auf die Reise.
Sommer- und Winterferien in Betriebsferienheimen sowie im Ferienaustausch mit sozialistischen Ländern, Zeltplatz, Kinderferienaktion, Kurverschickung

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Original-URL von Hart-Steuerbord